
Hier im Prättigau kennen mich fast alle und rufen mir zu: «Das ist ja der Ueli von der Post Schuders!» Aber die wenigsten kennen meinen adligen Namen:
Ulan Bator vom Aemmitau.
Ich wohne hier in Schuders auf 1200 müM. Für mich gibts hier ideale Bedingungen, im Winter hat es genügend Schnee und im Sommereinen angenehmen Bergwind. Meine Tierärztin und die vielen Gäste sind begeistert von meinem gesunden und schönen Aussehen und darum lasse ich mich auch gerne streicheln und flatieren. Nach vielen Prüfungen (die haben doch wirklich jeden Zahn einzeln untersucht!) wurde ich im September 2010 als Deckrüde zugelassen.
Meine persönlichen Daten:
Ulan Bator vom Aemmitau · geboren am 10. August 2008 · Farbe braun · HD: A-A · ED: 0-0 · Cystinurie erbgesund · Herz ohne Befund · Zuchtzulassung seit18.09.2010
Stammbaum:
Vater: Romanov v.d.Berenstal
Mutter: Gina vom Aemmitau
Ich bin ein Rüde von korrektem Format, kräftiger Knochenbau, korr. Haarkleid, kräft. Kopf, Scherengebiss , etwas helle Augen, korr. Angesetzte u. getrag. Ohren, kräft. Hals, gerader Rücken mit pass. Kruppe, pass. Bauchlinie, Rute von korr. Länge. Flüssiges Gangwerk mit ausreichenden Aktionen. Verhalten ist angenehm, freundlich u. sicher. Das alles steht im Richterbericht.
Ueli von der Post in Frankreich
Auf 4 Pfoten von Menton nachGrasse
Wer hat eigentlich die blöde Mode erfunden, in den Süden in die Ferien zu fahren? Wo möglich mit dem halben Haushalt, Kindern und Hund? Mein «kleiner Chef», Wirt auf der Post in Schuders, meinte, er brauche nach der strengen Sommersaison dringend Ferien, neudeutsch einen «Break», damit er seinen Kopf verlüften könne, am besten mit Wandern im Süden. Seine Frau Barbara, meine zweibeinige Freundin, hätte sicher auch andere Möglichkeiten der Erholung gesehen, half dann aber doch bei den Vobereitungen. Dazu gehörte auch, dass ich von Ende Oktober an in Schuders mit einem «HüGü», sorry Hunderucksack trainieren musste.
Typisch «kleiner Chef»: Er will was Neues erkunden, den Fernwanderweg GR 51, von der italienischen Grenze nach Marseille, auch «Balcon de la Méditerranée» genannt. Immer auf den Hügeln, dem Meer entlang, bis einem alle vier Pfoten weh tun.... Erstaunlich was für ein riesiges Wanderwegnetz die Franzosen erstellt haben: 150’000 km, gut beschildert und auch die kleinen Wege proper geputzt. «Die scheinen die Wanderer als Tourismuspotential erkannt zu haben», sagt mein «kleiner Chef». Also mir ist klar, dass wir mit einmal Ferienwandern es nicht bis Marseille schaffen werden und hoffe doch, dass es ab und zu regnet, denn dann bleiben die Zweibeiner lieber unter Dach und ich habe eine Pause.
Der Start über Monaco
Am 11.11. packten mich die beiden nachts ins Auto und, als ich dann endlich meine Beine im Freien strecken konnte, bin ich definitiv woanders: Die Luft riecht nach Testarossa, Maibach und Lamborghini, das ist die Umgebung von Monaco. «Geld stinkt nicht» sagen die Zweibeiner, ich bin da anderer Meinung. Pfui, diese breiten übelriechenden Gummilatschen! Zum Glück finden wir bald den Einstieg zu unserem Fernwanderweg GR 51 und sofort bin ich happy: die ersten Kilometer mit Rosmarin, Lavendel und kleinen Pinien als Begleiter auf weichen Waldwanderwegen. Im Sommer wärs mir hier zu heiss, aber jetzt im November mit 20° gefällts auch mir.
Kaum haben wir den ersten Hügel erklommen (uff, ich mit meinem HüGü), wird’s mir schwindelig. 600 Höhenmeter über der Suite von Prinz Albert, nächstes Jahr soll er dort ja nicht mehr allein residieren..., wartet eine Gruppe mit Helmen und Schnüren an grossen Tüchern auf besseren Wind. Kaum dreht sich dieser, startet einer nach dem andern und sticht mit seinem Gleitschirm Richtung Meer. Das wäre nichts für mich, lieber tappe ich hinter meiner Freundin her. Vorbei an Radio Monte Carlo in die Macchia des Hinterlandes. Kaum mehr Menschen, viel wilde Natur und noch was neues: richtig,hier gibt’s Wildschweine, fette, dunkle Wildschweine. Die gibt’s nicht in Schuders, besser so, die Jäger gleichen ja oft den Tieren und unsere Jäger haben durchtrainierte Körper. Mein «kleiner Chef» riecht nichts und will weiter, auch wenn’s schon bald dunkel wird. Wo wir schlafen? Das weiss ich nicht, er aber auch nicht. Und schon bahnt sich der erste Ferienknatsch an: Mit 20 km in den Beinen und hängenden Köpfen stehen wir vor verschlossenen Hoteltüren. Die haben halt auch Saisonschluss! Der Chef meint, das sei kein Problem, dann nähmenwir einfach den Bus und fahren nach Nizza rein. Denkste, die haben uns nicht mitgenommen, wegen mir: Nur Vierbeiner, die in eine Handtasche reinpassen, sind in öffentlichen Bussen erlaubt. Solche Handtaschen gibt’s auch in Nizza nicht, also wandern bis zur nächsten Bar und siehe da, alle wollen helfen und haben erbarmen mit mir. «Comme il est beau», «manifique» und ähnliches sagen die zu mir und fremde Frauen streicheln mich ständig. Man sucht und ruft an und findet im «Pavillon bleu» ein Zimmer. Nicht erste Wahl, aber meine Freundin möchte endlich schlafen, kann sie nun auch.
Der nächste Morgen erwartet uns mit blauem Himmel, Croissant (Gipfeli) und einem «kleinen Chef» der was gelernt zu haben scheint. Er rechnet nämlich die Tagesdistanz aus und ruft eine «Gites d’Etappes» an, die auch wirklich ein freies Zimmer hat. «Gites» sind Privatunterkünfte und wie geschaffen für Fernwanderer. «Alors en marche», hinaus in die Natur, mit Aussicht aufs Meer und in die Alpen und wenig Zweibeiner, ideal um sich beim Wandern zu erholen. Mir wäre eine Begegnung mit einer Vierbeinerdame, so was echt französisches, schon angenehm, gibt’s hier aber leider selten. Die sperren alle hinter Zäune ein und darin kläffen sie dann zickig durchs Gehölz. Auch heute gibt’s eine mächtige Überraschung: Wir verlaufen uns und stranden wieder in einem Café, weil es noch viel zu weit ist bis zu unserer Unterkunft. Der Chef müsste halt auch die Höhenmeter mit einplanen.... Er ruft an und erklärt, dass wir erst morgen dort einträfen und organisiert für uns umgehend das nächst gelegene Hotel. Ich bin aber nach all denHöhenmetern und Umwegen schlapp; aber wir haben schon wieder Glück: Junge Leute räumen ihren Kombi aus und ich werde ins Hotel gefahren. Dort gibt’s sogar ein Swimmingpool, aber dafür bin ich nun doch zu müde.
Neuer Tag, sichere Unterkunft vor Augen, aber dunkle Wolken am Himmel.
Für die Zweibeiner heisst das, wandern mit Regenschirmen, geht super, aber die Aussicht ist getrübt und die Gespräche auch. Dafür ist abends die Unterkunft umso besser. Statt kleinem Zimmer zum selben Preis eine Wohnung mit Terrasse. Meine Freundin Barbara ist happy und kann alles waschen und hat sogar Zeit mein Fell zu bürsten. Wir warten zwei Tage bis der Regen und die Gewitter aufhören und starten dann bei Sonnenschein zu unserer «Königsetappe». Ein Hochplateau fast 1000 Meter über dem Meer mit Rundsicht, einigen Pferden und Schafen, sonst gar nichts von Zivilisation. Australien mitten in Europa! Mir ist’s recht, Asphalt mag ich sowieso nicht. Die Etappe ist zwar (mit 8 Stunden) etwas lang, aber unsere Truppe ist nun auch schon wesentlich fiter.